Clemens Schittko, Poesie (trad. di Ottavia Testaguzza)

 

Statt einer Widmung zu Beginn
Dieses Gedicht ist ein Gedicht,
weil ich es sage.
D. h., es wird Leute geben,
die einfältig genug sind,
zu glauben,
dass dies wirklich ein Gedicht ist.
Die Juristen werden feststellen,
es ist kein Plagiat.
Die Ökonomen werden feststellen,
es ist käuflich, aber (…)
es verkauft sich nicht.
Dieses Gedicht ist für die Rote Kapelle
und für die Weiße Rose,
für die, die keiner oder zumindest
mehr als einer Szene angehören,
und für die, die aus Überzeugung arbeitslos sind.
Es wurde geschrieben für die Mülltonnen
auf unserem kleinen präparierten (Hinter-)Hof
und für die Obdachlosen,
die in diesen Mülltonnen
nach Essbarem suchen.
Es wurde für mich geschrieben,
für meine Freundin und unser
noch nicht gezeugtes, noch totes Kind,
für den Korte-Ralf, die Reyer-Sophie
und Johannes Jansen
sowie für jene Dichter,
die mir nie ein Gedicht widmen würden
und mich ignorieren
aus purer Angst,
ihre popeligen Preise und Stipendien
mit mir teilen zu müssen.
Es ist für Rainald Goetz,
der den Büchner-Preis verdient hätte (Stand: 2011),
und auch für alle Pflanzen,
die noch durch Steine hindurchwachsen.
Für meine zwei, drei Freunde ist es,
für alle Kinder
und das Stück Himmel
über dem Boxhagener Platz,
das (noch nicht gentrifiziert)
den Aufstand ankündigt,
für Luise und Katja
und noch einmal für alle Kinder.
Ich schrieb es für Gerd Adloff
als Dank für sein Gedicht
„Dieses Gedicht ist ein Gedicht“,
das ich hiermit empfehle.
Auch ist es für meine Bücher, CDs und DVDs
und für den trockenen Rotwein,
der bei Lidl für 1,69 € erhältlich ist,
und nicht zuletzt für meinen Bruder
und für die, die noch Witze machen können,
obwohl sie sehen, was läuft.
Vor allem aber ist es für Luise,
für meine zwei, drei Freunde
und eben für Luise.
Und sagen will ich
mit diesem Gedicht,
dass ich gerne lebe
und nicht sterben will.

Per cominciare, invece di una dedica
Questa poesia è una poesia,
perché lo dico io.
Ovvero: ci sarà qualcuno
abbastanza ingenuo
da credere
che questa sia veramente una poesia.
I giuristi sentenzieranno
che non è un plagio.
Gli economisti sentenzieranno,
che si può acquistare, ma (…)
non è in vendita.
Questa poesia è per l’Orchestra Rossa[1]
e per la Rosa Bianca,[2]
per quelli che non si ritrovano in nessuna scena o si ritrovano almeno in più di una,
e per quelli che rimangono disoccupati per convinzione.
È stata scritta per i bidoni della spazzatura
del piccolo e curato cortile dietro casa
e per i senzatetto
che in questi bidoni
cercano da mangiare.
È stata scritta per me,
per la mia fidanzata e per quel figlio
che non abbiamo concepito ancora ed è già morto,
è per Ralf Korte,[3] per Sophie Reyer[4] e per Johannes Jansen[5]
ed è stata scritta anche per quei poeti
che non mi dedicherebbero mai una poesia
e che mi ignorano
per la pura paura
di dover spartire con me i loro miserabili premi e borse di studio.
È per Rainald Goetz[6]
che avrebbe meritato il Premio Büchner[7]
(aggiornamento al 2011)
e anche per tutte le piante
che crescono facendosi largo attraverso le pietre.
È per i miei due, tre amici,
per tutti i bambini
e per quell’angolo di cielo
sopra Boxhagener Platz,[8]
che (non ancora gentrificato)
annuncia la rivolta,
per Luise e Katja
e ancora una volta per tutti i bambini.
La scrivo per Gerd Adloff[9]
come ringraziamento per la sua poesia
“Dieses Gedicht ist ein Gedicht“[10]
che vi raccomando di leggere.
E ancora è per tutti i miei libri, CD e DVD
e per il vino rosso secco
che trovi alla Lidl ad un euro e sessantanove,
e non in ultimo per mio fratello
e per tutti quelli che ancora riescono a scherzare
nonostante siano consapevoli di quello che succede nel mondo.
Ma soprattutto è per Luise,
per i miei due, tre amici
e ancora per Luise.
E quello che voglio dire,
con questa poesia,
è che amo la vita
e non voglio morire.


[1] L’Orchestra Rossa (die Rote Kapelle in tedesco) erano, nella denominazione della Gestapo, i gruppi di resistenza antinazista in Germania durante la Seconda Guerra Mondiale.
[2] La Rosa Bianca (die Weiße Rose in tedesco) era un gruppo di resistenza antinazista costituito da studenti che si ispiravano a valori cristiani.
[3] Ralf B. Korte (*1963, Ulm) é il fondatore della rivista letteraria perspektive.
[4] Sophie Anna Reyer (*1984, Vienna) è una poetessa, filosofa e compositrice di musica classica austriaca.
[5] Johannes Jansen (*1966, Berlino Est) è uno scrittore tedesco.
[6] Rainald Goetz (*1954, München) è uno scrittore tedesco.
[7] Il Premio Büchner è un importante premio letterario tedesco.
[8] Boxhagener Platz è una piazza del popolare quartiere di Friedrichshain a Berlino.
[9] Gerd Adloff (*1952, Berlino Est) è un poeta, fotografo e giornalista tedesco.
[10] In italiano „Questa poesia è una poesia”.


Abends in der Kneipe
Hallo sagen
oder auch Tach
und ein Bier bestellen
oder ein Glas Wein
oder beides
und Platz nehmen am Tresen
und anstoßen
und prost sagen
zum Wohl
oder cheers
je nachdem
und dann trinken,
um reden zu können
oder trinken,
um nicht reden zu müssen
in jedem Fall aber trinken
zu saufen anfangen
zu bechern
zu zechen
zu schlucken
und dann sich augenzwinkernd zuprosten
sich zunicken
sich nett finden
sich lieb haben
sich gegenseitig auf die Schulter klopfen
sich umarmen
Küsschen hier und Küsschen da
und wieder trinken
trinken, trinken und nochmals trinken
und es krachen lassen
auf den Putz hauen
oder auf die Pauke …
in jedem Fall aber die Puppen tanzen lassen
die Korken knallen lassen
die Sau rauslassen
also so richtig einen draufmachen
die Nacht zum Tag machen
und weitertrinken
sich die Kante geben
sich einen hinter die Binde kippen
sich volllaufen lassen
sich zuschütten,
bis der Arzt kommt
oder alle unter den Tischen liegen
und dann reden
anfangen zu erzählen
einfach loslabern
schwafeln
schwadronieren
und hahaha
und hihihi
und hohoho machen
und darauf anstoßen
und rumalbern
rumschäkern
oder einfach nur schunkeln
was weiß ich
und hoch die Tassen
einen draufmachen
ein Fass aufmachen
und mal so richtig abrocken
sein Ding machen
einen rausrotzen,
als gäb´s kein Morgen
und wieder labern
Scheiße erzählen
Kacke absondern
Gülle verbreiten
den Jauchekübel auskippen
mal ordentlich ablästern über die Konkurrenz,
über die sogenannten Mainstream-Lyriker,
die sich selbst freischaffende Schriftsteller nennen,
obwohl sie nur von Preisen und Stipendien leben
mal ordentlich ablästern über den sogenannten Betrieb,
diesen Drecksliteraturbetrieb,
der nur aus Seilschaften besteht
(beim nächsten Mal werden Namen genannt)
und dann weitertrinken
sich begießen
tief ins Glas schauen,
bis es nicht mehr geht
und über die Kollegen aus der Subkultur herziehen,
die auch nicht besser sind als die sogenannten Mainstream-Lyriker
mit all ihren Egoismen, ihren Egozentrismen, ihren Egomanien
also herziehen über die Kollegen aus der Subkultur
sie beleidigen
sie aufs Übelste beschimpfen
und ihre Manuskripte besudeln
wie schlecht doch alle schreiben
wie angepasst doch alle sind
(beim nächsten Mal werden Namen genannt)
und schließlich sich selbst runtermachen
sich niedermachen
sich herabwürdigen
sich hassen
sich umbringen wollen
und dann aufstehen
und zum Klo gehen
oder besser wanken
oder besser schwanken
oder besser torkeln
und pissen
und scheißen
das ist Arbeit
und die Kloschüssel treffen
wankend und schwankend
bzw. das Urinal
und sich nicht die Hände waschen
und wiederkommen
und sich setzen
und weiterlabern
bei lauter werdender Musik
anfangen zu brüllen
den Anderen ins Ohr brüllen
und weiterfeiern,
hoch die Tassen,
obwohl es überhaupt nichts zu feiern gibt
und nur deshalb feiern,
gerade weil es nichts zu feiern gibt
und betrunken sein
einen sitzen haben
den Kanal voll haben
einen Zacken in der Krone haben
zu tief in den Becher geschaut haben
oder einfach nur dicht sein
und Dinge sehen,
die es nicht gibt
von einer Arbeiterklasse träumen,
die irgendwann die Revolution macht
vom Kommunismus träumen
vom Anarchismus träumen
von der klassenlosen Gesellschaft
von einer Räterepublik
und wieder trinken
nachladen
tanken
sich zuschütten
sich abfüllen,
um den Arbeitszwang zu vergessen
um den Zwang, Geld zu verdienen, zu vergessen
um Hartz IV zu vergessen
um das Gewaltmonopol des Staates zu vergessen
um die Gesellschaft zu vergessen
und um sich selbst zu vergessen
das Alleinsein, die Angst vor dem Sterben und den Tod
und dann grölen
und dann johlen
und Scheiße brüllen
und hahaha
und hihihi
und hohoho machen
und rumpöbeln
sich prollig geben
sich ausziehen
die Hosen runterlassen
seine Geschlechtsteile auspacken
und nackt auf den Tischen tanzen
und eine Orgie veranstalten
einen Exzess organisieren
und Gruppensex haben,
bis die Bildzeitung kommt
bis das Fernsehen kommt
bis die Polizei kommt
und geifern
und die Manuskripte der anderen besudeln
und dabei ruhig werden
und eigene Pläne schmieden
Aufstandsbeschreibungen anfertigen
und plötzlich einen Plan haben für einen Umsturz
und plötzlich einen Plan haben für die Zeit nach einem Umsturz
für eine Übergangsregierung
ein Schattenkabinett,
das alle Hierarchien auflöst
und dann Unruhen lostreten
einen Aufstand anzetteln
zur Revolte anstacheln
zum Umsturz aufwiegeln
mal zeigen, was Literatur so alles kann
hier und jetzt
und wieder aufstehen
und noch mal zum Klo gehen
oder besser wanken
oder besser schwanken
oder besser torkeln
und pissen
und scheißen
und kotzen,
ohne die Kloschüssel zu treffen
wankend und schwankend
das Klo zupissen
das Klo zuscheißen
das ganze Elend der Welt auskotzen,
bis es keine Klos mehr gibt
keine Notdurft
kein Erbrechen
und schließlich gehen
die Zeche prellen
hinausgehen in die Nacht
und bei Rot über die Ampel

Una serata al bar
Dire “ciao“
o anche “giorno“
e ordinare una birra
o un bicchiere di vino
o entrambi
e sedersi al bancone
e brindare
e dire Salute
o Alla nostra
o cincin
a seconda del caso,
e poi bere
per riuscire a parlare
o bere
per non dover parlare
in ogni caso comunque bere
cominciare a sbevazzare
a trincare
a cioncare
a tracannare
e poi brindare ammiccando l’uno all’altro
farsi cenni con la testa
trovarsi carini
piacersi
darsi pacche sulle spalle a vicenda
abbracciarsi
un bacino qui e un bacino là
e di nuovo bere
bere, bere e ancora bere
e fare casino
mettersi in mostra
o festeggiare rumorosamente
ma in ogni caso movimentare le cose
stappare le bottiglie
scatenarsi
insomma, spassarsela per bene
fare nottata
e continuare a bere
alzare il gomito
sbronzarsi
sborniarsi
sfondarsi
fino a che arriva il dottore
o tutti sono finiti sotto ai tavoli
e poi parlare
cominciare a raccontarsi
semplicemente blaterare
parlare a vanvera
sproloquiare
e ridacchiare “ahahaha”
e “ihihihi”
e “ohohoho”
e brindarci su
e fare lo scemo
fare lo splendido
o semplicemente dondolarsi al suono della musica
che ne so
e in alto i calici
spassarsela per bene
stappare una bottiglia
e una volta tanto spaccare davvero
farsi le tue cose
sfogarsi
come se non ci fosse un domani
e di nuovo blaterare
raccontare cazzate
rimestare nella merda
spargere il liquame
svuotare il secchio
e parlare male della concorrenza,
dei cosiddetti poeti mainstream,
che si definiscono autori freelance,
anche se vivono solo di premi e stipendi
parlare male per bene
della cosiddetta “industria”,
di questa infame industria letteraria
popolata solo da cricche
(la prossima volta faccio i nomi)
e poi continuare a bere,
berci su
guardare il fondo del bicchiere
finché non ce n’è più
e sparlare dei colleghi
della subcultura
che non sono meglio dei cosiddetti poeti mainstream,
con tutti i loro egoismi, i loro egocentrismi,
le loro egomanie,
insomma sparlare dei colleghi della subcultura
offenderli
insultarli coi peggiori epiteti
e infangare i loro manoscritti
quanto scrivono tutti male
quanto sono tutti in fondo conformisti
(la prossima volta faccio i nomi)
E alla fine buttarsi giù
sminuirsi
svalutarsi
odiarsi
volersi uccidere
e poi alzarsi
e andare al cesso
o meglio oscillare
o meglio vacillare
o meglio barcollare
e pisciare
e cagare
è una fatica
e centrare la tazza del cesso
oscillando e vacillando
o l’orinatoio
e non lavarsi le mani
e tornare
e risedersi
e continuare a blaterare
in mezzo alla musica sempre più alta
cominciare a strillare
strillare nelle orecchie dell’altro
e continuare a festeggiare,
in alto in calici,
anche se non c’è proprio nulla da festeggiare
e festeggiare proprio per questo,
proprio perché non c’è nulla da festeggiare
e ritrovarsi ubriachi
bevuti
ciucchi
brilli
sbronzi
o semplicemente alticci
e vedere cose
che non ci sono
sognare una classe operaia
che prima o poi faccia la rivoluzione
sognare il comunismo
sognare l’anarchismo
sognare una società senza classi
una Repubblica dei consigli[1]
e bere ancora
farsi un altro giro
fare rifornimento
sfondarsi
ubriacarsi
per dimenticarsi dell’obbligo di lavorare
per dimenticarsi dell’obbligo di guadagnare soldi
per dimenticarsi dell’Hartz IV[2]
per dimenticarsi del monopolio statale dell’uso legittimo della forza fisica
per dimenticarsi della società
e per dimenticarsi di sé stessi
della propria solitudine, della paura di morire
e della morte
e poi cantare a squarciagola
e poi urlare a squarciagola
e strillare cazzate
e ridacchiare “ahahaha”
e “ihihihi”
e “ohohoho”
e comportarsi da villano
comportarsi da cafone
spogliarsi
calarsi giù i pantaloni
tirare fuori i genitali
e ballare nudi sui tavoli
e organizzare un’orgia
fare qualcosa di scandaloso
e fare sesso di gruppo
fino a che arriva la Bildzeitung[3]
fino a che arriva la televisione
fino a che arriva la polizia
e sputare veleno
e infangare i manoscritti degli altri
e così calmarsi
e progettare dei piani
preparare la rivolta
e improvvisamente avere un piano per un colpo di stato
e improvvisamente avere un piano per il dopo-colpo di stato
per un governo di transizione
per un governo ombra
che annulli tutte le gerarchie
e poi scatenare disordini
ordire una rivolta
spronare all’insurrezione
incitare al colpo di stato
dimostrare, che la letteratura può tutto
qui e ora
e di nuovo alzarsi
andare ancora al cesso
o meglio oscillare
o meglio vacillare
o meglio barcollare
e pisciare
e cagare
e vomitare
senza centrare la tazza del cesso
oscillando e vacillando
imbrattare il cesso di piscia
e feci
vomitare tutta la miseria del mondo
fino a che non ci siano più cessi
niente più bisogni
niente più vomito
e alla fine andare
pagare il conto
uscire addentrandosi nella notte
e passare con il rosso al semaforo


[1] Termine che indica genericamente forme di governo rivoluzionario basate su un sistema di “consigli” (Comune di Parigi, Repubblica dei Consigli della Baviera, Unione Sovietica)
[2] Tipologia di sussidio di disoccupazione
[3] Tabloid scandalistico tedesco


„Weiter im Text“, Clemens Schittko, Ritter Klagenfurt (Verlag), 2016

 

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